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Der Knubbel am Marktplatz Bocholt
 
21.05.2026 - Auf dem Bocholter Marktplatz gibt es seit Kurzem ein neues Gesprächsthema – und nein, es ist weder ein Foodtruck noch ein weiterer Fahrradständer. Es ist ein wolkenförmiger Knubbel, der aussieht wie eine Mischung aus futuristischer Kastanie und Kunstobjekt aus einem Paralleluniversum. Dieser Knubbel kann etwas, das sonst nur Menschen tun: Er dichtet. Die Poesiemaschine ist angekommen.
 
Und mit ihr ein Projekt, das Bocholt und das niederländische Aalten dichter zusammenbringt, als es jede Grenzbrücke, jeder Pendlerverkehr und jedes gemeinsame Stadtfest je geschafft hat. Unter dem Motto „Lyrik auf beiden Seiten der Grenze“ haben 23 Autorinnen und Autoren ihre Texte beigesteuert – ein literarisches Best‑of der Region, das man jetzt per Knopfdruck abrufen kann.
 
Ein Knopfdruck, und schon spricht die Wolke
Wer neugierig ist, muss nur näher an die Laterne treten, an der die Maschine hängt. Dort warten mehrere Knöpfe darauf, gedrückt zu werden. Jeder Knopf spielt einen anderen Text ab – mal poetisch, mal humorvoll, mal nachdenklich, mal in Dialekt, mal auf Niederländisch. Die Lautstärke ist bewusst niedrig gehalten. Schließlich soll niemand nachts aus dem Schlaf schrecken, weil plötzlich ein Haiku über Sommerregen durch die Gassen schwebt.
 
Politik trifft Poesie
Besonders charmant: Auch die beiden Bürgermeister, Christian Mangen (Bocholt) und Anton Stapelkamp (Aalten), haben Texte beigesteuert. Wann erlebt man schon, dass Bürgermeister nicht über Haushaltszahlen, sondern über Lebensläufe und Volkslieder sprechen?
Die Poesiemaschine macht’s möglich.
 
Ein Kunstwerk auf Europatour
Die Installation stammt von der freischaffenden Künstlerin Karo Kollwitz, die an der Bauhaus‑Universität Weimar und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert hat. Seit 2006 reist ihre Poesiemaschine durch Europa – Weimar, Hamburg, Zürich, Helsinki – und jetzt eben Bocholt.
Man könnte sagen: Die Maschine hat mehr Städte gesehen als so mancher Reisepass.
 
Ein literarisches Buffet
Bis Ende Juli bleibt der Knubbel am Bocholter Marktplatz hängen, danach wandert er weiter nach Aalten. Wer reinhört, bekommt ein buntes Stimmen‑Panorama serviert:
Von Christoph Blumentraths „Liebeserklärung an ein buntes Fähnchen“ über Laura Bramhoffs „Grenzen“ bis hin zu Silke Vogtens „Nacktschnecken und Idioten“.
Dazu Beiträge von Schulkindern, Dialektdichterinnen, Haiku‑Freunden, Geschichtenerzählern und natürlich der Künstlerin selbst.
 
Kurz gesagt: Ein literarischer Snackautomat – nur ohne Kalorien, aber mit viel Kultur.
 

Der Knubbel am Marktplatz Bocholt


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