Stadt Bocholt trauert um Josef Niebur Wegbereiter der lokalen Erinnerungskultur verstorben
04.09.2026 - Verlust eines langjährigen Wegbegleiters der Erinnerungsarbeit. Grundlegende Werke zur jüdischen Stadtgeschichte verfasst. Prägender Einsatz für Gedenkstätten, Stolpersteine und Bildungsprojekte Die Stadt Bocholt trauert um den langjährigen Heimatforscher und ehrenamtlichen Historiker Josef Niebur, der über viele Jahrzehnte hinweg die lokale Erinnerungskultur entscheidend geprägt hat. Die Stadtverwaltung blickt mit großem Respekt auf sein umfassendes Lebenswerk zurück. Mit seinen akribischen historischen Forschungen hinterlässt Josef Niebur ein bleibendes Fundament für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Bocholt. Mit Josef Niebur verliert die Stadt Bocholt einen verlässlichen und hochgeschätzten Partner der städtischen Kultur- und Bildungsarbeit. „Die Nachricht vom Tod Josef Nieburs erfüllt uns mit tiefer Trauer. Er hat der Erinnerungskultur in Bocholt über Jahrzehnte hinweg ein Gesicht gegeben und den Opfern des Nationalsozialismus ihre Würde und ihren Platz in unserer Stadtgeschichte zurückgegeben“, erklärt Björn Volmering, Kulturdezernent und Erster Stadtrat. „Wir verneigen uns vor dem Lebenswerk eines Bürgers, der sich stets mit großem Verantwortungsbewusstsein gegen das Vergessen eingesetzt hat.“ Den Anstoß für Nieburs jahrzehntelanges Schaffen gaben das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 und Berichte über die Zerstörung der Bocholter Synagoge. Beginnend in den 1980er Jahren widmete er sich intensiv der systematischen Erforschung des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen vor Ort.
Seine Recherchen führten ihn unter anderem in das Bundesarchiv, in das Archiv des Zentrums Judaicum, in die Arolsen Archives sowie mehrfach nach Israel zur Gedenkstätte Yad Vashem. Im Bocholter Stadtarchiv wertete er über Monate Gerichts- und Verwaltungsakten aus und führte zahlreiche Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie mit Nachkommen jüdischer Familien. Aus dieser fundierten Grundlagenarbeit entstanden Veröffentlichungen, die heute als unverzichtbare Werke der Stadtgeschichte gelten.
Nach der 1988 vorgelegten Dokumentation „Juden in Bocholt“ erschien 2013 das fast 500 Seiten starke „Buch der Erinnerung – Juden in Bocholt 1937–1945“, das durch 183 Biogramme den Opfern ihre Namen und Geschichten wiedergab. Mit der 2018 herausgegebenen Handreichung „Unbekannt verzogen (ausgewandert)“ stellte er zudem didaktische Materialien für den Schulunterricht bereit. Ergänzt wurde dieses Schrifttum durch mehr als dreißig Fachbeiträge in der Zeitschrift „Unser Bocholt“, in denen er auch Widerstandsbiografien, die Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Morde und die Geschichte des Stadtwaldlagers behandelte. Sein bürgerschaftliches Engagement prägt den öffentlichen Raum der Stadt bis heute nachhaltig. Zunächst in der Deutsch-Niederländisch-Israelischen Gesellschaft und später im Arbeitskreis Synagogenlandschaften setzte sich Niebur beharrlich für das Gedenken ein.
Er initiierte Straßenbenennungen nach Verfolgten des Regimes und wirkte maßgeblich an der Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte vor dem Haus des Handwerks im Jahr 2005 mit. Auf seinen historischen Ausarbeitungen beruht zudem die Verlegung von bislang 49 Stolpersteinen im Stadtgebiet. Ebenso gab er den entscheidenden Impuls für die 2014 abgeschlossene Erneuerung der Gedenkstätte für das ehemalige Stadtwaldlager samt neu gestalteter Informationsstelen.
Ein zentrales Anliegen blieb für ihn stets die direkte Vermittlung an nachfolgende Generationen. Niebur erarbeitete und kuratierte zahlreiche Ausstellungen, hielt Vorträge und konzipierte hunderte Stadtrundgänge zu den Stolpersteinen für die Volkshochschule sowie für Schulklassen und gesellschaftliche Gruppen. Kam es zu Besuchen von Angehörigen ehemaliger Bocholter Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens aus dem Ausland, stand er der Stadtverwaltung als sachkundiger und einfühlsamer Begleiter zur Seite. Für seinen herausragenden Einsatz erhielt Josef Niebur im Jahr 1995 die Stadtplakette der Stadt Bocholt in Silber. Darüber hinaus wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2015 mit der Ehrennadel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gewürdigt.
Die Stadt Bocholt wird Josef Niebur in dankbarer Erinnerung behalten und sein Vermächtnis als dauerhaften Auftrag für eine lebendige Erinnerungskultur weiterführen.
Polizei zieht Bilanz nach Tempokontrollen im gebiet
104 km/h statt der maximal erlaubten 50 km/h: So schnell raste in der vergangene...
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Behebung einer Gas-Störung. 7. September bis voraussichtlich 2. Oktober 2026. S...
04.09.2026 - Verlust eines langjährigen Wegbegleiters der Erinnerungsarbeit. Grundlegende Werke zur jüdischen Stadtgeschichte verfasst. Prägender Einsatz für Gedenkstätten, Stolpersteine und Bildungsprojekte Die Stadt Bocholt trauert um den langjährigen Heimatforscher und ehrenamtlichen Historiker Josef Niebur, der über viele Jahrzehnte hinweg die lokale Erinnerungskultur entscheidend geprägt hat. Die Stadtverwaltung blickt mit großem Respekt auf sein umfassendes Lebenswerk zurück. Mit seinen akribischen historischen Forschungen hinterlässt Josef Niebur ein bleibendes Fundament für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Bocholt. Mit Josef Niebur verliert die Stadt Bocholt einen verlässlichen und hochgeschätzten Partner der städtischen Kultur- und Bildungsarbeit. „Die Nachricht vom Tod Josef Nieburs erfüllt uns mit tiefer Trauer. Er hat der Erinnerungskultur in Bocholt über Jahrzehnte hinweg ein Gesicht gegeben und den Opfern des Nationalsozialismus ihre Würde und ihren Platz in unserer Stadtgeschichte zurückgegeben“, erklärt Björn Volmering, Kulturdezernent und Erster Stadtrat. „Wir verneigen uns vor dem Lebenswerk eines Bürgers, der sich stets mit großem Verantwortungsbewusstsein gegen das Vergessen eingesetzt hat.“ Den Anstoß für Nieburs jahrzehntelanges Schaffen gaben das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 und Berichte über die Zerstörung der Bocholter Synagoge. Beginnend in den 1980er Jahren widmete er sich intensiv der systematischen Erforschung des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen vor Ort.
Seine Recherchen führten ihn unter anderem in das Bundesarchiv, in das Archiv des Zentrums Judaicum, in die Arolsen Archives sowie mehrfach nach Israel zur Gedenkstätte Yad Vashem. Im Bocholter Stadtarchiv wertete er über Monate Gerichts- und Verwaltungsakten aus und führte zahlreiche Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie mit Nachkommen jüdischer Familien. Aus dieser fundierten Grundlagenarbeit entstanden Veröffentlichungen, die heute als unverzichtbare Werke der Stadtgeschichte gelten.
Nach der 1988 vorgelegten Dokumentation „Juden in Bocholt“ erschien 2013 das fast 500 Seiten starke „Buch der Erinnerung – Juden in Bocholt 1937–1945“, das durch 183 Biogramme den Opfern ihre Namen und Geschichten wiedergab. Mit der 2018 herausgegebenen Handreichung „Unbekannt verzogen (ausgewandert)“ stellte er zudem didaktische Materialien für den Schulunterricht bereit. Ergänzt wurde dieses Schrifttum durch mehr als dreißig Fachbeiträge in der Zeitschrift „Unser Bocholt“, in denen er auch Widerstandsbiografien, die Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Morde und die Geschichte des Stadtwaldlagers behandelte. Sein bürgerschaftliches Engagement prägt den öffentlichen Raum der Stadt bis heute nachhaltig. Zunächst in der Deutsch-Niederländisch-Israelischen Gesellschaft und später im Arbeitskreis Synagogenlandschaften setzte sich Niebur beharrlich für das Gedenken ein.
Er initiierte Straßenbenennungen nach Verfolgten des Regimes und wirkte maßgeblich an der Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte vor dem Haus des Handwerks im Jahr 2005 mit. Auf seinen historischen Ausarbeitungen beruht zudem die Verlegung von bislang 49 Stolpersteinen im Stadtgebiet. Ebenso gab er den entscheidenden Impuls für die 2014 abgeschlossene Erneuerung der Gedenkstätte für das ehemalige Stadtwaldlager samt neu gestalteter Informationsstelen.
Ein zentrales Anliegen blieb für ihn stets die direkte Vermittlung an nachfolgende Generationen. Niebur erarbeitete und kuratierte zahlreiche Ausstellungen, hielt Vorträge und konzipierte hunderte Stadtrundgänge zu den Stolpersteinen für die Volkshochschule sowie für Schulklassen und gesellschaftliche Gruppen. Kam es zu Besuchen von Angehörigen ehemaliger Bocholter Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens aus dem Ausland, stand er der Stadtverwaltung als sachkundiger und einfühlsamer Begleiter zur Seite. Für seinen herausragenden Einsatz erhielt Josef Niebur im Jahr 1995 die Stadtplakette der Stadt Bocholt in Silber. Darüber hinaus wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2015 mit der Ehrennadel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gewürdigt.
Die Stadt Bocholt wird Josef Niebur in dankbarer Erinnerung behalten und sein Vermächtnis als dauerhaften Auftrag für eine lebendige Erinnerungskultur weiterführen.
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